Kunstverein-Ingelheim e.V.

SUSANNE BEUCHER

 „scheißleben ohne kunst“. Rotzig steht sie vor uns. Den Kopf durch einen Helm geschützt, die Augen hinter einer dicken Brille verborgen und aus den schlabberigen Hosenbeinen ragt ein Holzbein hervor. Verletzt und doch kämpferisch tritt uns die Figur entgegen. Und ein Pinsel, die immer einsatzbereite Waffe, ersetzt eine Hand. 

 

 Kunst, Malerei, Farbe als Lebenselixier, als Werkzeug im Überlebenskampf in der Welt des Alltags, als kreative Lösungsgeberin in vertrackten Situationen. Susanne Beucher nutzt dieses Medium seit vielen Jahren. Anfangs waren es Kopffüßler, die ihre Bilder bevölkerten und vor flächig aufgefassten Farbhintergründen aus großen Augen die Welt beobachteten und kommentierten. Fast immer allein haben sie sich den gleichen Problemen im Alltag zu stellen wie der Mensch: Auseinandersetzung mit aberwitzigen Situationen, Kommunikationsprobleme, Beziehungsstress. Knochen und Herz als symbolische Beigaben stehen für Tod, Hass und Wut bzw. Freude, Liebe und Glück: Allgemeinverständlich, jedoch nie naiv, im kollektiven Gedächtnis der Menschen verankert, mit hohem Wiedererkennungswert. Verbunden mit der Aufforderung an den Betrachter, die eigene Situation zu reflektieren und mit nun gewonnener Distanz neu zu bewerten. 

 Uschi Baetz, Kunsthistorikerin